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Jetzt droht auch noch ein Stromproblem

todayJuli 28, 2022 12

Hintergrund
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Niemand will frieren im Winter. Die Menschen denken um – und kaufen massenhaft Heizlüfter. Fachleute warnen vor einer „extremen Be­lastung für die Stromnetze“.

 

So hatte sich Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck das nicht vorgestellt: Zwar ist es sein erklärtes Ziel, dass in Deutschland künftig mit Strom statt mit Gas und Öl geheizt wird. Doch was sich dieser Tage in Deutschland abspielt, ist so gar nicht im Interesse des Grünen. Denn die Menschen versuchen nicht nur, eine der von Habeck präferierten Wärmepumpen zu bekommen – samt einem Handwerker, der sie einbaut. In weitaus größerer Zahl versuchen sie, in Baumärkten oder bei On­linehändlern noch einen Heizlüfter zu er­gattern. In vielen Geschäften sind die Ge­räte inzwischen ausverkauft. Angesichts der geringen Gaslieferungen aus Russland und der Energiesparpläne der Regierung ist offenbar die Sorge groß, sonst im Winter frieren zu müssen.

 

Eine Statistik, wie viele Heizlüfter in den vergangenen Wochen in ganz Deutschland verkauft wurden, gibt es nicht. Aber die Zahlen der Baumarkt­kette Hornbach geben einen Einblick: Schon im Zeitraum von Januar bis Juni verkaufte das Unternehmen nach eigenen Angaben doppelt so viele Heizlüfter wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Seit Anfang Juli ziehe die Nachfrage noch mal deutlich an, berichtet ein Sprecher. „Wenn es so weitergeht, dann werden wir am Monatsende bis zu 500 Prozent über dem Vorjahres-Juli liegen.“

Gefahr von Überlastung der Stromnetze

Energiefachleute beobachten diese Entwicklung mit Sorge. „Wenn an kalten Winterabenden millionenfach Heizlüfter angeworfen werden, kann das für das Stromnetz gefährlich werden“, sagt Marco Wünsch, Bereichsleiter Strom beim Analysehaus Prognos. „Selbst wenn nur 10 Prozent der Gashaushalte zusätzlich mit Strom heizen, würde das die Spitzenlast im Netz deutlich nach oben treiben.“ Wünsch macht dazu folgende Rechnung auf: Etwa jede zweite Wohnung in Deutschland wird mit Gas beheizt, das sind rund 20 Millionen. Davon 10 Prozent sind 2 Millionen Wohnungen. Heizlüfter hätten im Schnitt eine Leistung von 2000 Watt. Um zwei kleine Zimmer oder ein größeres warm zu bekommen, brauche es zwei davon. In der Beispielrechnung würden an besagtem Winterabend 8000 Megawatt Strom zusätzlich benötigt. „8 Gigawatt zusätzlich bei einer normalen Höchstlast von 85 Gigawatt: Das ist nicht ohne“, sagt Wünsch. Prognos ist das Ins­titut, das im vergangenen Jahr für das Bundeswirtschaftsministerium die Entwicklung des Strombedarfs bis zum Jahr 2030 prognostiziert hat.

Geschrieben von: Manuel

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