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Kanaren-Vulkan: Dicke Luft und Ausgangssperren auf La Palma

todayOktober 8, 2021 14

Hintergrund
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Seit Beginn des Vulkanausbruchs auf den Kanaren ist auf La Palma nichts mehr wie früher. Der Vulkanausbruch wirbelt das Leben auf der Insel völlig durcheinander.

Die Szenen erinnern ein bisschen an den Weltuntergang: Die Luft schimmert gräulich, die Menschen tragen Atemschutzmasken und versuchen, ihre Augen mit Brillen zu schützen. Eine dicke Aschewolke zieht über Siedlungen hinweg, viele Fußgänger funktionieren ihre Regenschirme zu Ascheschutzschilden um. Viele Menschen haben den Luxus eines Spaziergangs nicht – sie müssen wegen der giftigen Luft in ihren Häusern bleiben.

Das klingt nach dem Stoff für Roland Emmerichs nächsten Umwelt-Thriller – ist aber ganz real. So sieht es im Moment auf der Kanaren-Insel La Palma aus. Seit der Vulkan in der Cumbre-Vieja-Kette ausbricht, hat er unvorstellbar große Mengen an Lava ins Meer transportiert, neues Land aufgeschüttet – aber eben auch viel vernichtet.

Je nachdem wie der Wind auf La Palma steht, kämpfen die Menschen mit zentimeterdicken Lavaschichten auf den Straßen, Autos und Balkonen. Sie benutzen Regenschirme als Schutz vor dem grauen Staub und verbringen viel Zeit damit, die Straßen und Balkone von der Ascheschicht zu befreien, die der Vulkan ununterbrochen über sie niederregnen lässt.

Erdentstehung live: Auf Zeitreise mit dem Kanaren-Vulkan

Obwohl er gefährlich, dreckig und giftig ist – der Kanaren-Vulkan nimmt uns mit auf eine einmalige Zeitreise. So weit in der Zeit zurück, dass es noch nicht mal Leben auf unserem Planeten gab. Es ist heiß, glühendes Gestein fließt aus Vulkankratern Richtung Boden, überall formen sich die Kontinente – ähnlich wie auf La Palma zurzeit.

Der Ausbruch des Vulkans dort lässt uns zurückblicken, Milliarden Jahre vor unserer Zeit. Wie damals formt die Lava dort auch in der Gegenwart neues Land. Mittlerweile wächst vor La Palma eine neue Halbinsel – dort, wo die Lava ins Meer fließt. Sie ist schon mehr als 20 Hektar groß – das entspricht der Hälfte der Fläche des Vatikanstaates.

Wie groß die Halbinsel letzten Endes wird, kann noch niemand sagen. Das hängt davon ab, wie lange der Vulkan noch Lava spuckt – und wie viel. Seit fast zwei Wochen bricht der Vulkan in der Cubmra-Vieje-Kette auf der kanarischen Insel La Palma fast rund um die Uhr aus und schiebt riesige Mengen an flüssigem Gestein in den Atlantik. Das kühlt ab und formt so die neue Halbinsel.

Vulkan auf La Palma hat einen dritten Spalt aufgesprengt

Am Freitag hat der Vulkan einen dritten Spalt in seinen Hang gesprengt. Die Behörden teilten mit, der neue Lavastrom sei zwar relativ klein, er ziehe aber die bisher verschonten Flächen in Mitleidenschaft. Die Behörden wollen nun beobachten, ob die Lava aus dem neuen Riss sich mit dem Hauptstrom vereinigt. Dieser hat bereits den Atlantik erreicht, erklärten die Behörden. Außerdem gab es acht neue Erdbeben mit einer Stärke von bis 3,5 auf Insel. Bisher sind auf La Palma rund sieben Quadratkilometer mit einer meterdicken Schicht aus rund 1.000 Grad heißer Lava bedeckt.

Kilauea in Hawaii seit mehreren Tagen wieder aktiv

Und noch ein alter Bekannter macht wieder Schlagzeilen: Der Kilauea auf Hawaiis größter Insel Big Island. Der Vulkan war 2018 schon einmal ausgebrochen und hatte Wochenlang Lava aus insgesamt 24 Schloten in die Luft geschleudert.

Drei Monate dauerte der Ausbruch – von Anfang Mai bis Ende Juli. Dabei formte der Kilauea 3,5 Quadratkilometer neues Land – so groß wie der Central Park in New York. 24 Menschen wurden durch die Lava verletzt, es entstand ein Schaden von etwa 690 Millionen Euro.

-Auch der Kilauea auf Hawaiis größter Insel Big Island bricht seit wenigen Tagen wieder aus.

Beeindruckende Bilder: Drohne fliegt über Vulkan-Schlot

Vor ein paar Tagen gab es spektakuläre Nahaufnahmen vom Kanaren-Vulkan. Ein Drohnen-Pilot ist jetzt auf Tuchfühlung mit der fast 1.000 Grad heißen Lava gegangen. Er flog so nahe an den Schlot wie es nur ging.

Das Ergebnis: Beeindruckende Aufnahmen von glühend heißem, flüssigem Gestein, das der Vulkan fast hundert Meter hoch in den kanarischen Himmel speit. Dort, direkt über der Stelle, an der das flüssige Gestein aus dem Erdinneren schießt, könnte kein Mensch die hohen Temperaturen lange überleben.

Ätzende Gaswolke: Lava auf La Palma erreicht die Küste

Mittlerweile ist die Lava aus der Gebirgskette bis zum Meer gekommen. Hier fließt flüssiges Gestein in den Atlantik und vergrößert die Insel La Palma mit jedem Kubikmeter ein kleines bisschen. Zu nahe sollte man der Stelle aber nicht kommen.

Wenn Lava ins Wasser läuft, entsteht eine ätzende Wolke aus Salzsäure, Wasserdampf und winzig kleinen Glassplittern. Wer das Gemisch einatmet, kann seiner Lunge schweren Schaden zufügen. Deswegen haben die Behörden in einigen Orten in Windrichtung Ausgangssperren verhängt. Am Mittwochnachmittag hat der Wind aber gedreht und weht die Giftwolke jetzt auf den Atlantik.

Lavafelder für viele Jahre nicht bewohnbar

An Land machen sich die Menschen, die in der Gegend wohnen, Sorgen um ihre Zukunft. Die Lava hat auf ihrem Weg Richtung Küste Hunderte Häuser zerstört. Das Lavafeld wird noch viele Jahre unbewohnbar sein. Erst einmal muss die Lava abkühlen, dann muss das Gestein erst einmal wieder zu fruchtbarer Erde werden.

Die Regionalregierung der Kanaren geht davon aus, dass der Vulkanausbruch bisher einen Schaden von mehreren hundert Millionen Euro verursacht hat.

La Palma ist bisher um 100.000 Quadratmeter gewachsen

Das spanische Forschungsinstitut CSIC hat ausgerechnet, dass La Palma seit Beginn des Ausbruchs um etwa 100.000 Quadratmeter gewachsen ist. Die Lava verschiebt auch die Küstenlinie. Dort, wo das flüssige Gestein in den Atlantik läuft, ist eine neue Halbinsel entstanden – sie ist etwa 500 Meter lang.

Als der Lavastrom entstanden ist, ist er durch die Siedlung El Paraíso geflossen und hat dort Häuser, Pools und Plantagen unter sich begraben. Allerdings sind nicht alle Häuser verschwunden. Um manche Gebäude scheint der Lavastrom aber auf mysteriöse Weise einen großen Bogen zu machen. Spanische Medien bezeichnen die von der Lava verschonten Häuser schon als „Wunderhäuser“.

Wann gab es auf den Kanaren den letzten Vulkanausbruch?

Der letzte Vulkanausbruch auf den Kanaren ist zehn Jahre her: 2011 hatte es einen Ausbruch am Meeresboden vor der Insel El Hierro gegeben.

Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez verschob wegen des Vulkanausbruchs seine Reise zur UN-Generaldebatte in New York und reiste am Sonntagabend vor einer Woche nach La Palma. „Alle Einsatzkräfte stehen bereit, um koordiniert zu reagieren“, schrieb er bei Twitter. Das spanische Innenministerium wollte mehr als 200 Einsatzkräfte per Hubschrauber nach La Palma bringen.

Geschrieben von: Manuel

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