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Messer-Angriff im ICE in Bayern: Polizei sieht keinen Hinweis auf Terror

todayNovember 8, 2021 7

Hintergrund
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Im ICE von Regensburg nach Nürnberg hat ein Mann am Samstag andere Passagiere mit einem Messer verletzt. Ein 27-Jähriger wurde festgenommen. Laut den ersten Ermittlungsergebnissen der Polizei litt der Mann unter einer paranoiden Schizophrenie.

Es gebe „keine Anhaltspunkte für einen islamistischen Hintergrund“, sagte Kriminaldirektorin Sabine Nagel am Sonntag bei der Pressekonferenz der Polizei Oberpfalz

Auch gebe es bisher keine Hinweise auf mögliche Mittäter oder Mitwisser. Der Tatverdächtige, ein 27-jähriger Syrer, hatte am Samstag im ICE Passau-Hamburg wahllos Mitreisende attackiert und vier Männer verletzt. Als Tatwaffe wurde ein Klappmesser mit einer Klingenlänge von acht Zentimetern sichergestellt.

Messerangreifer im ICE war laut Polizei wohl psychisch beeinträchtigt

Der mutmaßliche Täter sei vermutlich psychisch erkrankt, hieß es von der Polizei. Die Motivlage des Mannes sei „nach wie vor unklar“ und Gegenstand „unserer intensiven Ermittlungen“, sagte der Präsident des Polizeipräsidiums Oberpfalz, Norbert Zink, am Sonntag in Neumarkt. Ein Gutachter gehe davon aus, dass der Mann unter einer „paranoiden Schizophrenie“ leide und wahnhafte Vorstellungen habe, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Gerhard Neuhof. Er wurde inzwischen in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht.

Inzwischen hat es auch Ermittlungen und Durchsuchungen im nordrhein-westfälischen Marl gegeben. Dabei wurde das soziale Umfeld des Mannes auf mögliche Mitwisser überprüft. Von den Behörden hieß es, dabei hätten sich keine Anhaltspunkte für eine Mitwisserschaft oder Mittäterschaft ergeben.

Was ist am Morgen im ICE passiert?

Plötzlich sei die Tür des Abteils aufgerissen worden, es habe eine fast panikartige Flucht in den hinteren Bereich des Zuges gegeben, berichtete ein 77 Jahre alter Fahrgast, der zum Zeitpunkt des Angriffs in einem anderen Waggon saß. „Ein Messerstecher! Rennt nach hinten zum Zugende!“, sei gerufen worden.

Bei der Pressekonferenz am Sonntag präzisierte die Polizei den Tatablauf: Der mutmaßliche Täter habe kurz nach Regensburg im Wagen 5 unvermittelt einen 26-jährigen Mann angegriffen und schwer am Kopf verletzt. Danach habe er einem 60-jährigen Fahrgast Schnittwunden an Kopf und Rumpf und einem weiteren 60-Jährigen ebenfalls Verletzungen zugefügt. In Wagen 4 habe er dann einem 39-Jährigen in den Körper gestochen. Die beiden jüngeren Opfer seien am Sonntagmittag noch im Krankenhaus gewesen, so die Polizei.

Polizei war mit Großaufgebot beim ICE in Seubersdorf

Beim Polizeipräsidium Oberpfalz war kurz nach 9 Uhr der Notruf eingegangen: „Messerangriff auf Fahrgäste.“ Der ICE hielt am kleinen Bahnhof Seubersdorf, südöstlich von Nürnberg. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort.

Nach dem Halt des Zugs seien Streifenbeamte in den Zug gekommen und hätten den mutmaßlichen Tatverdächtigen mit gezogenen Waffen auf den Boden dirigiert. Er habe sich dann widerstandslos festnehmen lassen, erklärte Polizeivizepräsident Thomas Schöniger.

Wenig später gab die Polizei dann Entwarnung. Polizeipräsident Norbert Zink dankte am Sonntag Reisenden, „die versucht haben, den Tatverdächtigen von weiteren Aktionen abzuhalten“.

 

Rund 200 Leute mussten aus dem Zug gebracht werden. Wie ein Sprecher der Feuerwehr zum BR sagte, wurden sie in einer Gaststätte anschließend mit Getränken versorgt. Die Bahnstrecke Regensburg-Nürnberg war seit etwa 9 Uhr gesperrt und wurde der Bahn zufolge am Abend wieder freigegeben.

 

Mutmaßlicher Täter kommt aus Syrien

Der mutmaßliche Täter soll ein anerkannter Flüchtling sein. Er hat nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur früher in Syrien gelebt, soll sich seit 2014 in Deutschland aufhalten und zuletzt in Passau gewohnt haben. Nach Angaben einer Polizeisprecherin hat er die syrische Staatsangehörigkeit. Einen Tag vor der Tat soll er seine Arbeitsstelle verloren haben.

Der 27-Jährige habe dem Gutachter gesagt, er fühle sich von der Polizei verfolgt: Sie schicke Männer, die ihn verrückt machen sollten. Von einem 26-jährigen Fahrgast im Zug habe er sich bedroht gefühlt und „gemeint, dieser Mann wolle ihn töten“. Daraufhin habe er wuchtig auf dessen Kopf eingestochen. Die anderen Taten habe er dann nach eigener Aussage „wie im Traum begangen“, sagte Oberstaatsanwalt Gerhard Neuhof. „Er hat die Taten also nicht abgestritten.“ Ermittelt werde wegen Mordes.

Seehofer dankt Einsatzkräften

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) äußerte sich bereits kurz nach der Tat bestürzt über den Vorfall, dessen Hintergründe zunächst unklar waren: „Die grausame Messerattacke im ICE ist furchtbar“, erklärte Seehofer. Er dankte insbesondere der Polizei und dem Zugpersonal „für ihren mutigen Einsatz, durch den noch Schlimmeres verhindert werden konnte“.

 

Gewerkschaft fordert mehr Polizeipräsenz in Zügen

Wegen der Messerattacke fordert die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft nun mehr Polizeipräsenz in Zügen. Die Bundespolizei müsse deutlich mehr Personal für die Sicherheit beim Reisen zur Verfügung stellen, teilte Vize-Gewerkschaftschef Martin Burkert mit. Die Planstellen seien zwar bewilligt, aber es fehle das Personal. Der Gewerkschafter sagte weiter, gerade jetzt, wo viele Fahrgäste in Busse und Bahnen zurückkehrten, dürfe man deren Vertrauen nicht verspielen.

Geschrieben von: Manuel

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