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Nach neuen Vorwürfen: Bild-Chefredakteur Reichelt von allen Aufgaben entbunden

todayOktober 24, 2021 16 1 1

Hintergrund
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Das ist ein Paukenschlag, Bild-Chef Reichelt muss gehen, und das unter den Augen der gesamten Öffentlichkeit. Wie kam es zu dem Rauswurf?

Der Axel-Springer-Verlag schreibt: Reichelt habe sich weitere Verfehlungen erlaubt, obwohl nach einem Compliance-Verfahren im Frühjahr eigentlich damit hätte Schluss sein müssen .

Was bedeutet Compliance-Verfahren?

Hinter diesem sperrigen Begriff stecken die Verhaltensregeln, die ein Unternehmen für seine Mitarbeiter aufstellt. Gegen die hatte Reichelt schon verstoßen – deswegen gab es im Frühjahr 2021 ein internes Verfahren gegen ihn. Nach dessen Ende soll er weiter gegen die Betriebs-Regeln verstoßen und seinen Arbeitgeber belogen haben, teilte Axel Springer mit. Das sei der Grund für seinen Rauswurf.

Als Folge von Presserecherchen hatte das Unternehmen in den letzten Tagen neue Erkenntnisse über das aktuelle Verhalten von Julian Reichelt gewonnen. Diesen Informationen ist das Unternehmen nachgegangen. Dabei hat der Vorstand erfahren, dass Julian Reichelt auch nach Abschluss des Compliance-Verfahrens im Frühjahr 2021 Privates und Berufliches nicht klar getrennt und dem Vorstand darüber die Unwahrheit gesagt hat.

Mitteilung des Axel-Springer-Verlages zum Rauswurf von Ex-Bild-Chef Julian Reichelt

Geheime Recherchen bringen Bild-Chef zu Fall

Der Axel-Springer-Verlag sagt, Reichelt habe Berufliches und Privates nicht klar voneinander getrennt – nannte aber keine Details. Darüber wollten Journalisten der Ippen-Verlagsgruppe am Sonntag berichten. Die Chefs des Verlages verhinderten das aber – unter Protest des Investigativteams.

Ein Verlagssprecher sagte, das Unternehmen müsse als Mediengruppe im direkten Wettbewerb mit der Bildsehr genau darauf achten, dass nicht der Eindruck entsteht, wir wollten einem Wettbewerber wirtschaftlich schaden“.

Verlag wollte Recherchen zu Reichelt nicht veröffentlichen

Die Recherchen der Reporter wurden aber trotzdem bekannt, als die New York Times darüber berichtete. Darin geht es – wie im ersten Verfahren im Frühjahr dieses Jahres – um Machtmissbrauch. Reichelt wurde in dem Verfahren rehabilitiert und durfte nach einer kurzen Auszeit wieder bei Bild arbeiten.

Bis zu dem Moment, in dem die Ippen-Recherche ans Licht kam. Die Journalisten fanden heraus, dass Reichelt seine Macht weiter missbraucht haben und den Axel-Springer-Verlag dazu angelogen haben soll.

Was wird Julian Reichelt vorgeworfen?

Der Spiegel hat die Ippen-Recherche vorliegen und hat Teile daraus veröffentlicht. Demnach geht es bei Reichelts Rauswurf um Sex mit Mitarbeiterinnen. Der Chefredakteur soll sich immer wieder an junge Kolleginnen herangemacht haben.

Laut Spiegel sei Reichelt „häufig nach demselben Muster“ vorgegangen. Erst habe er sie für ihre Arbeit gelobt und ihnen dann verantwortungsvolle Aufgaben anvertraut oder in Positionen eingesetzt, für die sie nicht geeignet waren.

Dabei seien viele der Frauen auch mit Reichelt ins Bett gestiegen – allerdings seien das immer einvernehmliche Verhältnisse gewesen. Trotzdem habe eine der Frauen so sehr unter der Situation gelitten, dass sie in psychiatrische Behandlung ging. Vor allem der Vorwurf der Kollegen, die hätte den Job nur wegen ihrer Beziehung zu Reichelt bekommen, habe der Frau zu schaffen gemacht.

Axel-Springer-Chef bezeichnet Reichelt als letzten mutigen Journalisten

Der Spiegel zitierte auch eine Nachricht von Springer-Chef Mathias Döpfner an den Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre. Reichelt habe an einem Kommentar geschrieben, in dem er die Corona-Maßnahmen als Beleg für einen willkürlichen Staat bezeichnete.

Döpfner habe Stuckrad-Barre daraufhin geschrieben, Reichelt sei „halt wirklich der letzte und einzige Journalist in Deutschland, der noch mutig gegen den neuen DDR Obrigkeits-Staat aufbegehrt“. Die meisten anderen Journalisten seien zu Propaganda-Assistenten geworden. Stuckrad-Barre soll die Freundschaft zu Döpfner wegen des Umgangs mit dem Fall Reichelt beendet haben.

Ippen Digital Chefredakteur entschuldigt sich

Mittlerweile hat sich der Chefredakteur von Ippen Digital, Markus Knall, sich bei den Betroffenen für die Nicht-Veröffentlichung der Recherchen entschuldigt. Zahlreiche Frauen hätten sich im Zuge der Recherche zum Fall Reichelt an die Redaktion gewandt „und den Mut gefasst, uns ihre Geschichte zu erzählen“, schrieb Knall am Mittwoch in einem Statement. Ippen habe zugesagt, unter Wahrung der Anonymität, über ihre persönlichen Schicksale zu berichten. „Dieses Versprechen konnten wir nicht einlösen. Das bedauere ich zutiefst.“

Springer-Chef: Reichelt hat die Bild weiterentwickelt

Springer-Chef Mathias Döpfner sagte am Montag: „Julian Reichelt hat Bild journalistisch hervorragend entwickelt und mit Bild Live die Marke zukunftsfähig gemacht. Wir hätten den mit der Redaktion und dem Verlag eingeschlagenen Weg der kulturellen Erneuerung bei Bild gemeinsam mit Julian Reichelt gerne fortgesetzt. Dies ist nun nicht mehr möglich.

Geschrieben von: Manuel

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